Seifersdorf am Fuße des Osterzgebirges
Die Gemarkung Seifersdorf liegt am Nordwest-Auslauf des Osterzgebirges
und ist somit der naturräumlichen Einheit dieses Gebietes zugehörig.
Entsprechend der Lage Seifersdorf am Fuße des Osterzgebirges pendeln
die Höhenmeter der Gemeinde zwischen 285 und 404m NN, wobei der
höchste Punkt "Geiers Wacht" mit 404,3 m NN und die tiefste
Stelle im Weißeritztal bei 285 m NN liegt. Die bebaute Ortslage ist
also bergig mit einem Höhenunterschied von ca. 100 Meter.
Ähnlich dem Gesteinsaufbau des Osterzgebirges
sind in Seifersdorf und Umgebung die Gneise und ihre
Verwitterungsdecken, kleinflächig wird der geologische Untergrund durch
Quadersandstein gebildet.
In Seifersdorf und Umgebung sind die auch sonst im Osterzgebirge
großflächig verbreiteten Graugneisböden vorherrschend, die bis in die
bewaldeten Kammlagen hinauf als Braunerden und lößbeeinflusste
Hochflächen ausgebildet sind und bei mittlerer Bodengüte und
Ackerwertzahl 40 die wesentliche Basis unseres Feldbaues darstellen.
Seifersdorf entstand als Waldhufensiedlung, die
ab etwa 1565 auch durch Häusler und Gärtner ergänzt wurde.

Ortsentstehung
Zwischen Müglitz und Wilder Weißeritz bis Tharandt etwa und zwischen
dem Poisenwald und der heutigen Böhmischen Grenze erstreckte sich einst
ein dichter Mischwald, der Miriquidi, was auf sorbisch "Schwarzer
Wald" bedeutet, den man sich aber nicht lückenlos, sondern von
Lichtungen und Auen unterbrochen vorstellen muss. Dieser Schwarze Wald
bedeckte die gesamte Umgebung.
Anfang des 12. Jahrhunderts strömten deutsche
Siedler in dieses Gebiet. Ihrer Herkunft nach waren sie mitteldeutsch,
thüringisch, obersächsisch, fränkisch, bayrisch. Deutsch waren sie
alle, die den Ort gründeten.
So kamen auch Siedler zur Roten Weißeritz und
fanden das Seitental geeignet, um sich anzusiedeln. In jener Zeit
erschallten Axtschläge, die Urwaldriesen stürzten, und ins
urbargemachte Rodeland säte man den mitgeführten Samen, Hütten
entstanden.
Der neugegründete Ort und seine Umgebung
befanden sich zu dieser Zeit im Besitz des Burggrafen Otto II. von Dohna.
Er war es, in dessen Auftrag die Ansiedler unter Führung eines seiner
Vertrauten, des Lokators Sivert oder Siuert von Rabenau aus, die Burg
dort gehörte zu Dohna, in unsere Gegend gesandt wurden. Ein
Gründungsjahr ist nicht bekannt.
Urkundlich wird unser Ort erstmals am 04. Juli
1282 als "Siuertsdorph" erwähnt.
In dieser Urkunde, einer Schenkungsurkunde,
vermachte Burggraf Otto II. dem Kloster Altzella bei Nossen am 4.7.1282
1 ½ Pfund Pfennige in Freiberger Münze, die in Seifersdorf eingenommen
werden sollten, zur Abhaltung von Seelenmessen für seine in Altzella
ruhenden Vorfahren. Seifersdorf ist als reines Waldhufendorf entstanden.
Etwa 30 freie deutsche Bauern nahmen Besitz von dem ihnen zur
Kolonisation gewährten Lande und bauten ihre Höfe vom Weißeritztal in
Richtung von NO nach SW zu beiden Seiten eines Baches bis zur Höhe
aufwärts. Jeder Bauer erhielt eine gleich große Hufe; nur der Pfarrer
und der Schulze bekamen 2 Hufe. Die Größe der deutschen Hufe schwankte
zwischen 20 und 40 Acker, meist enthielt sie 30 Acker = 16,60 Hektar.
Die Felder waren handtuchartig angelegt. Die
Schmalseite 5, die Langseite 60 Ruten. 1 Rute maß 4,29 m. Jede Hufe
hatte ihren Feldweg, der meist in der Mitte lag. An dieser Aufteilung
hat sich im wesentlichen bis zur Bildung der Landwirtschaftlichen
Produktionsgenossenschaft nichts geändert. Die Zwangskollektivierung
geschah im Frühjahr 1960.
Den Kern des Ortes bildet als Hauptgut das
Erbgericht auf der östlichen Seite, dem das Pfarrgut auf der Westseite
gegenüberlag. Die Landfläche, die der zu gründenden Dorfgemeinde von
dem Dohnaer Lehnsherrn angewiesen wurde, erstreckte sich von der Roten
Weißeritz bis zum Borlasbach westwärts und vom Seifener Wasser bis zur
Flur Spechtritz nordwärts.
Zuzug und Erbteilung veränderten die soziale
Schichtung des Ortes. Neben den Bauern fanden sich die Gärtner
(Hintersassen) mit einem Häuschen und einem Stück Gartenland, das als
Acker oder Krautgarten verwendet werden konnte. Dieses Gartenland
unterlag dem Flurzwange des Bauerngutes nicht. Die Bauern mussten die
Felder mit dem Pfluge bestellen, mit Getreide besäen und nach
festgelegter Art und Weise zur Weide liegen lassen. Die Gärtner
bestellten es meist Jahr für Jahr (Jahrland) mit dem Spaten und
bepflanzten oder besäten es.

Als dritte soziale Schicht sind die Häusler
mit einem Häuslein und einem Garten oder einem Stück Wiese, welche nur
auf Grund der Größe geringen wirtschaftlichen Nutzen besaß und
deshalb "Vor einer Ziege" in den Chroniken bezeichnet wurde,
zu nennen. Sie waren meist Handwerker, während die nichtansässigen
Dörfler zur Miete wohnten und als Gesinde und Hausgenossen ihr Brot
verdienten.
Der Schmied des Ortes war gewöhnlich
Gemeindeschmied und das von ihm bewohnte Häuschen auf dem Gemeindeanger
war Gemeindebesitz.
Außer dem Schmied fanden sich die Leinweber
und Schneider ein; denn nach der Landesordnung von 1482 waren nur diese
drei Handwerksarten auf den Dörfern zugelassen.