| König-Johann-Turm | Einsiedlerstein und Barbarakapelle | Steinernes Messer und Wolfssäule |
Die sich nördlich der Stadt erstreckende Dippoldiswalder Heide hält einen reichen Schatz von geschichtlichen, geologischen, geographischen und sagenhaften Stätten in sich verborgen. Deshalb lohnt es sich, kleine Streifzüge durch das Heidegebiet zu unternehmen, um diesen Besonderheiten nachzuspüren.
Am Eingang zum Wald liegt die Gaststätte "Heidehof", von der man bis zum Kammgebiet des Osterzgebirges blicken kann. In nördlicher Richtung erhebt sich der 481 m hohe Wilisch mit der nach Karsdorf zu auslaufenden Quohrener Kipse (452 m). Malerisch streben die Häuser von Hermsdorf (Wilisch) zur Höhe hin. Rechts schließt sich Reinberg an, dann Reinholdshain und Luchau mit der markanten, bewaldeten Basaltkuppe des 576 m hohen Luchberges. Im Vordergrund liegt Oberhäslich, und vor dem Luchberg erblickt man Elend, das Dorf, das nach einer Deutung die Erinnerung an unsägliches Kriegsleid, das diese Gegend in vergangenen Jahrhunderten erleiden mußte, in seinem Namen weiterträgt.
Zwischen Wilisch und Luchberg liegen am Horizont der Winterberg, der Schneeberg und der
Sattelberg. Rechts vom Luchberg erkennen wir - gerade noch hervorlugend - das
Mückentürmchen und den 824 m hohen Geisingberg. In westlicher Richtung erstreckt sich
der Kohlberg (595 m), und am Horizont tauchen die Höhen der Kipsdorfer, Schönfelder und
Hermsdorfer Gegend auf. Der Firstenweg schlängelt sich zum Geiersberg hinauf, und
darüber erkennen wir die am Ortsende von Reichstädt gelegene Kahle-Höhen-Kirche.
Bewaldete Höhenzüge mit der Höckendorfer Heide und der Erashöhe runden das Bild ab.
Ein prächtiges Panorama!
Noch schöner bietet sich der Rundblick vom 1885 errichteten Aussichtsturm, dem
König-Johann-Turm, der über den uralten Sandsteinbrüchen auf einer kleinen Anhöhe
erbaut und zu Ehren des damaligen sächsischen Königs Johann benannt wurde. Der Turm ist
- auf achteckigem Sockel stehend - 20 m hoch. 102 Stufen führen zur Aussichtsplattform.
Am 18. Juni 1886 erfolgte die Weihe. An einem rotbemalten Höhenbolzen erkennt man die
Höhenzahl: 430 m über NN.
Unweit vom Turm stand das Windischhaus. Es wurde 1899 von der
Erzgebirgischen Predigerkonferenz unter der Leitung des Diakonus Büchting erbaut. Ihm zu
Ehren pflanzte man einen Gedenkbaum und setzte einen Gedenkstein davor. Da die
finanziellen Mittel nicht ausreichten, übernahm der Oberjustizrat Windisch mit seiner
"Windisch-Stiftung" die Fortführung des Baus. Es war ursprünglich
Erholungsheim für Angehörige des Heimat- und Militärvereins, später öffentliche
Gaststätte und Sommerpension. In beiden Weltkriegen diente es als Lazarett, nach 1945 als
Teil des Kreiskrankenhauses. Ab 1950 war es Rehabilitationszentrum, Kreishygieneamt und
ärztliches Begutachtungszentrum.
Gleich gegenüber vom ehemaligen Windischhaus
ist der Eingang zum Sandsteinbruch, in dem bis zum
Ersten Weltkrieg Material für Mühlsteine und Schleifsteine gewonnen wurde.
Auch zu Bauzwecken ist dieser Sandstein gebrochen worden. Kurfürst August ließ hier
Gestein zum Ausbau des Dippser Schlosses brechen. Ein Kriegerehrenmal für die gefallenen
Steinbrucharbeiter ist noch im Steinbruch zu sehen.
Unweit des Weges nach Oberhäslich befindet sich noch ein älterer Steinbruch, in dem
kreidezeitliche Fossilien zu finden sind. Der tiefere Teil des Bruches wird von einem
Teich eingenommen. Auch schön auskristallisierte Amethyste kann man dort finden.
Die gesamte Dippoldiswalder Heide (12 km²) war früher der nördlichste Teil des Dippoldicz-Waldes, der den Besitzern der bei Osseg gelegenen Riesenburg gehörte. Ein Abkomme des Geschlechts der Dippoldicz, der Bischof Adalbert von Prag, soll sich zur Vorbereitung für seine Missionarsreise nach dem heidnischen Norden als Einsiedler in der Dippoldiswalder Heide aufgehalten haben und nach seinem Tod vom Papst heilig gesprochen worden sein. Deshalb wurde vor langer Zeit der "heilige Dippold" in das Stadtwappen von Dippoldiswalde aufgenommen.