| König-Johann-Turm | Einsiedlerstein und Barbarakapelle | Steinernes Messer und Wolfssäule |
Wir setzen unseren Streifzug am Heiderand an der Straße nach Malter fort und kommen an der Villa "Schwedenheim" vorbei, die 1932 von einem schwedischen Müllerschüler erbaut wurde, welcher der Meinung war, daß dieses Fleckchen Erde der schönste Teil in Europa sei. Dort wollte er sein Leben verbringen. Leider war ihm das nicht beschieden.
Als Beweis für die Schönheit dieser Gegend möchte ich noch das an der Straßenbiegung gelegene Haus und Grundstück nennen, das noch in meiner Jugendzeit das "Paradies" hieß. Hier wohnte ein Herr Adam. Seine Gattin hieß tatsächlich Eva, und an der Eingangspforte prangte eine große Messingtafel mit der Inschrift "Paradies". Von dieser Straßenbiegung aus gehen wir den Waldweg nach Norden und kommen nach etwa 500 m zum Quellgebiet der früheren Dippser Wasserversorgung, dem Steinborn. Bis vor wenigen Jahren konnte man auf einer Gedenktafel lesen: "Erbaut im Jahre 1867 durch Baurat Henoch unter Bürgermeister Heisterbergk, geleitet und gepflegt während der ersten zehn Jahre von Rathmann E. D. Frosch. In dankbarer Erinnerung an den 19. November 1892. Die Stadt Dippoldiswalde." Leider ist diese Tafel entwendet worden. - Schade!
Der Sammelbehälter trägt die Jahreszahl 1530. Seit diesem Jahr wurde das Wasser in hölzernen Rohren der Stadt zugeführt. Erst Heisterbergk ließ - erstmalig in Sachsen - eine stählerne Rohrleitung anlegen. - Wie ich erfahren habe, liegen die alten Holzrohrleitungen aber noch heute im Boden.
Unweit vom Steinborn biegen wir in einen Waldweg nach Osten zu ein, kreuzen die
Straße nach Oelsa und kommen nach kurzer Wegstrecke zum alten Marktsteig, den wir bis zum
Einsiedlerstein verfolgen. Hier soll sich die Klause des Einsiedlers Dippold befunden
haben. Die Sage bringt ihn mit der Gründung von Dippoldiswalde in Zusammenhang. Viele
Forscher und Chronisten haben sich bemüht, Licht in das Dunkel dieser sagenumwobenen
Stätte zu bringen. Erst dem verdienstvollen Heimatforscher Kurt Ullrich ist es 1940 bei
Grabungen gelungen, neben einer Unmenge von Keramikscherben eine Münze mit der Jahreszahl
1542 zu bergen. In Zusammenarbeit mit dem Museum für Vorgeschichte wurden ausgedehnte
Grabungen vorgenommen, die Klause des Einsiedlers freigelegt und die Reste der unmittelbar
danebenliegenden Katharinenkapelle vermessen.
Auch die Hainsberger und Rabenauer Heimatforscher (wie Rudolph und Käsemodel) haben sich um die Entschleierung der Geheimnisse des Einsiedlersteins sehr verdient gemacht. Neben der in den etwas tiefer liegenden Felsen eingebetteten "Küche" des Einsiedlers liegt der jetzt vermauerte Eingang zur Höhle, die der Sage nach Zutritt zu einem Stollen ist, der bis nach Rabenau und Dippoldiswalde geführt haben soll. Unterhalb des großen Einsiedlersteins, der von der Jugend gern zu Kletterübungen genutzt wird, weisen alte Einmeißelungen auf früheren Bergbaubetrieb (Einsiedlerschurf, 1601) hin.
Verlassen wir diese wildromantische Stätte und überqueren die Straße, die von der Heidemühle nach Malter führt, so kommen wir zum "Klausenweg". An einem kleinen Teich vorbei geht es in einem etwa halbstündigen Marsch zur Barbarakapelle.
Diese trägt den Namen der Schutzheiligen der Bergleute und wurde von dem
Dippoldiswalder Berg- und Schloßherrn Sigismund von Maltitz errichtet, der 1507 das
Naßpochwerk zur Erzaufbereitung erfunden hatte. Das in der Kapellenruine noch vorhandene
"Vorhangbogenfenster" deutet auf die Erbauung dieses Gebäudes um 1500 hin.
Wahrscheinlich hat der Kapellengeistliche in einer Klause gewohnt, die über der neben der
Kapelle befindlichen Quelle (Antoniusbrunnen) errichtet und vom Kapellenschiff aus
zugänglich war.
1525 starb der Kapellenstifter. Sein verwitterter Grabstein gelangte auf Umwegen in die
Dippoldiswalder Nikolaikirche, wo er noch heute zu sehen ist. Nach dem Tod des Stifters
verfiel die Kapelle allmählich und wurde 1539 von den Söhnen des Sigismund von Maltitz -
Heinrich und Johann von Maltitz - vollends zerstört, weil der letzte Kaplan Haubitz die
Bergleute "im geheimen Tun" zum evangelischen Gottesdienst berief. 1881 wurde
die vollkommen verfallene Ruine wieder instandgesetzt und im Chor der Spruch angebracht:
"Was uns das Alter vererbt, schone das junge Geschlecht!" - Eine Mahnung an alle
Besucher dieser Stätte.