Die Geschichte der Feuerwehr Dippoldiswalde
Vor 136 Jahren versammelten sich abends 8:00 Uhr 39 Männer um den Bürgermeister Heißterberg und den Turnlehrer Victor Thurm im ehemaligen Gasthof „Zum Goldenen Stern“
( ehemals Schulspeisung ) um die Freiwillige Feuerwehr neu zu organisieren. Gleichzeitig wurde das Grund- und Disziplinargesetz sowie die Einteilung der Mannschaften vorgenommen.
Victor Thurm war der 1. Wehrleiter der FF. Der 18. März gilt seitdem als Gründungstag der Freiwilligen Feuerwehr Dippoldiswalde.
Eine Vielzahl von großen Brandkatastrophen in den Jahren von 1500 bis 1863, die bekannteste vom 14. März 1826, bei denen weite Teile von Dippoldiswalde in Schutt und Asche gelegt wurden, forderten von den Bürgern eine Art Feuerlöschwesen zu organisieren.
Vor der Gründung existierten bereits einige Löschmannschaften und eine städtische Pflichtfeuerwehr, in die alle männlichen Bürger bis 45 Jahre berufen waren.
Kurz nach der Gründung der Wehr, im April 1865, erlebte Dippoldiswalde wieder einen Großbrand. Vom Pfortenberg, die Altenberger Str. bis auf den Plan dehnte sich das Feuer aus. Die Feuertaufe war, wie sollte es anders sein, ohne nennenswerte Löscherfolge.
Die damalige Führung versuchte, mit allwöchentlichen Übungen, den Ausbildungsstand der Kam. zu steigern. Auf die Dauer konnte dieser Rhythmus nicht durchgehalten werden. Der Landesausschuss Sächsischer Feuerwehren legte später allgemeingültig für alle Feuerwehren die Übungsanzahl auf jährlich 12 fest.
In den ersten 20 Jahren stieg die Mitgliederzahl auf 139 Kameraden. Ausschließlich Gewerbetreibende.
Die Struktur und die Aufgabengebiete der Wehr ähnelten bereits den heutigen.
An Technik konnten 3 2-rädrige Karrenspritzen, 2 Gerätewagen und ca. 650 m Schlauchmaterial sowie komplette persönliche Schutzausrüstung vorgehalten werden.
Es existierte bereits ein recht ergiebiges Hydrantennetz. Zu einer Übung im September 1880 wurde bewiesen, daß Löschwasser bis hoch in die Laterne des Kirchturms gepumpt werden konnte.
Interessant ist die Entwicklung der Alarmierung zu verfolgen. In der Feuerordnung von 1886 sind Feuermeldestellen benannt. Weiterhin nahmen der Glöckner, der Stadtmusikdirektor sowie vier Signalisten der F in den vier Stadtbezirken Meldungen entgegen. Später kam die „Schleife“, Sirenen und Funkmeldeempfänger zum Einsatz.
Im August 1925 konnten die Kameraden die 1. Automobilspritze für die Stadt Dipps im Gerätehaus am Kirchplatz einstellen. In Anbetracht des Fehlens geeigneter Chauffeure (heutigen Maschinisten), erklärten sich zwei Bürger bereit der F beizutreten.
Große Lücken in die Reihen der Kameraden unserer F rissen die beiden Weltkriege. An den ersten Weltkrieg erinnert die Gedenktafel an der Kirche gegenüber dem Gerätehaus Kirchplatz.
Im zweiten Weltkrieg, nach den Luftangriffen auf Dresden, leisteten die Kameraden der Wehr 3 Tage Hilfe bei den Löscharbeiten. Es gründetet sich die erste Frauengruppe um die Einsatzbereitschaft in der Stadt sicherzustellen. Die Gruppe bestand von 1943 – 1947.
Nach dem die Wirren des 2. Weltkrieges überstanden waren, ging es daran die Technik wieder auf ein brauchbares Niveau zu bringen. Ende der 50er Jahre verfügte Dipps über ein TLF 15, ein LF 15, ein leichtes Löschgruppenfahrzeug, eine TS 8, eine 20 m Leiter sowie Geräte zur Wiederbelebung und Umluftunabhängige Atemschutztechnik.
Die räumlich stark beengte und verstreute Unterbringung der Technik in der Stadt veranlaßte den Rat der Stadt 1950 den Umbau zweier Scheunen auf der Bergstr. Bis 1952 haben die Kam. selbst den Rohbau fertiggestellt. Dann mußte das Objekt an das Kommando Feuerwehr abgegeben werden und die Berufsfeuerwehr zog ein. Erst 1981 konnte ein Schulungsraum auf der Hospitalstr. genutzt werden.
1963 wurde die erste Arbeitsgemeinschaft „Junge Helfer der Feuerwehr“ als Basis für die weitere Absicherung des Nachwuchses gebildet. Der Gruppe stand ein Geräteanhänger mit einer TS 3 zur Verfügung, der noch jetzt von unserer Jugendfeuerwehr genutzt wird.
Leider konnte ab 1970 die Arbeit nicht kontinuierlich weitergeführt werden. Seit 1985 besitzt unsere F wieder eine Jugendfeuerwehr.
Am 10.04.1965 gründeten 8 Frauen, ausnahmslos Ehefrauen von Kam., die zweite Frauenbrandschutzgruppe. Der Tätigkeitsbereich der Gruppe bezog sich vorwiegend auf den VB.
Die Frauen feierten aber auch große Erfolge bei den Schnelligkeitsübungen auf Kreis- und Bezirksebene in den 70er Jahren.
Anfang der 60er Jahre wurde ein TLF 16 und ein LF 16 auf S 4000- Basis in Dienst gestellt. In den 70er Jahren kam ein Schaum-, Beleuchtungs-, Ventilations- und Schlauchanhänger hinzu.
Die Anzahl der techn. Hilfeleistungen nahm deutlich zu.
In dieser Zeit wurde viel Ehrenamtliche Arbeit neben den Einsetzen geleistet. Z.B. Ernteeinsätze, Schneeräumungsarbeiten und das Fällen von Bäumen im Stadtgebiet.
Der komplette Löschzug auf W 50- Basis wurde in den 80er Jahren zusammengestellt. Das war auch der Grund um endlich Fortschritte beim Gerätehausbau zu erwirken, da zeitweise ein Löschfahrzeug auf dem Markt vor dem Rathaus abgestellt werden mußte.
Erste Beratungen zum Gerätehausbau an den Scheunen sind im Mai 1981 geführt worden. 1986 liefen die ersten Arbeiten zum Umbau an. Neben Baufirmen haben die Kameraden in unzähligen Stunden selbst mit Hand angelegt. 1992 konnte das Objekt endlich komplett übernommen werden.
Nach der friedlichen Wiedervereinigung unseres Vaterlandes, nahm die Entwicklung unsere FF einen enormen Um- und Aufschwung. Die damalige Wehrleitung und Stadtverwaltung entschieden, zuerst die persönliche Ausrüstung neu zu beschaffen, um den Eigenschutz der Kam. sicherzustellen. Als nächstes wurde die Atemschutztechnik auf Standard gebracht.
Ein deutliches Merkmal dieser Zeit war der sprunghafte Anstieg der techn. Hilfeleistungen besonders nach VU.
Ebenfalls in den 90er Jahren wurden der SW 2000, das BLA 16 und der RW 2 in Dienst gestellt.
Als derzeitigen Höhepunkt an Neubeschaffungen von Fahrzeugtechnik können wir die Übernahme des TLF 16/25 im Jahr 1999 bezeichnen.
Nach diesen 136 Jahren Feuerwehrgeschichte der Stadt Dippoldiswalde im Telegrammstil möchte ich zusammenfassen:
Es gab immer Höhen und Tiefen. Viele Generationen haben sich dieser ehrenhaften Sache verpflichtet. Unter Zurücksetzung persönlicher Interessen leisteten sie einen vorbildlichen Beitrag nicht nur für den Schutz und die Sicherheit der Bürger, sondern auch für die Entwicklung und das Ansehen unserer Heimatstadt. Versuchen wir, getreu unserem Wahlspruch, in enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, an das Erreichte anzuknüpfen und erfolgreich weiterzuführen:
Einer Für Alle – Alle Für Einen!
Stadtteilwehrleiter Gerd Kothe





