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Brandbekämpfung einst und jetzt
Wenn in der letzten Zeit oft von Jubiläen von Feuerwehren in verschiedenen Orten unseres Heimatgebietes die Rede war, soll auch ein Rückblick auf die Arbeit der Feuerwehr in Dippoldiswalde und seinen Ortsteilen gestattet sein. Die Stadt Dippoldiswalde wurde 1541, 1632,1634,1655, 1657, 1826, 1865 und noch in weiteren Jahren von verheerenden Bränden heimgesucht. Die feuergefährliche Bauweise der Häuser, wie Holzfachwerk, Stroh- und Schindeldächer, war die häufigste Brandursache. Entstand in den vergangenen Jahrhunderten ein Brand, so war es Pflicht, das Feuer zu „beschreien“. Oft erscholl dann zu Tag- oder Nachtzeiten der Ruf: „Feuer, Feuer!“ oder „Wasser her!“ Alle, die diesen Ruf hörten, waren verpflichtet, in diesen Ruf einzustimmen. So pflanzte sich das Geschrei durch die ganze Stadt fort. Wer das Feuer nicht rechtzeitig „beschrie“, wurde bestraft. Aus dem Jahre 1645 ist folgende Anordnung bekannt: „Ein jeder Bürger soll sein Feuer oder Licht in seinem Hause wohl in acht nehmen, die Feuermauern (Schornsteine) richtig ausführen und verwahren, dass niemandem ein Schaden zugefügt wird.“
1669 wurde in Dippoldiswalde die erste Feuerspritze mit 36 Ellen (etwa 20 m) Strahlhöhe angekauft, der im folgenden Jahr eine zweite mit 40 Ellen (etwa 23 m) Strahlhöhe folgte. Die Spritzen waren in Spritzenhäusern am Walksteig, in der Brauhofstraße und am Kirchplatz untergebracht. In den Leiterhäusern, z.B. in der Kleinen Wassergasse, vor dem Niedertorplatz und am Planberg, wurden die Feuerleitern aufbewahrt.
Ab 1678 war es verboten, in der Nacht und bei Licht Flachs zu brechen und zu riffeln. Außerdem sollte niemand für mehr als eine Woche Stroh oder Brennholz zu Hause haben. Zur Kontrolle wurden jährlich vier Hausbegehungen von Amtspersonen durchgeführt. Vor den Türen der Häuser mussten mit Wasser gefüllte Bottiche aufgestellt werden, damit das Haus im Falle eines Brandes mit Löschwasser versorgt war. Vielfach wurden diese Bottiche, die mit Schlittenkufen versehen waren, auch im Winter leicht zu in der Nähe befindlichen Brandstellen geschleift. 

                                                                                                                  Foto: Historische Handdruckspritze (Ortsfeuerwehr Reichstädt)

Alljährlich fanden auf dem Marktplatz Spritzenproben statt. Sämtliche in Dippoldiswalde und den Nachbarorten in Betrieb befindlichen Spritzen mussten dem Prüfungsausschuss vorgeführt werden. Alle diese Spritzen waren ausnahmslos Stoßspritzen, d.h., sie gaben einen ununterbrochenen Strahl ab. Das war ein Schauspiel für die Anwohner, vor allem für die Jugend, die Wasserstrahlen emporsteigen zu sehen oder gar davon getroffen zu werden. Die Spritzenmannschaften dachten anschließend, Wasser allein tut`s nicht. Im Gasthof „San Salvator (später „Goldener Stern“) wurde der innere Brand gelöscht.
Eine Neuordnung des Feuerlöschwesens begann mit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Dippoldiswalde am 18. März 1865 durch den Turnlehrer Victor Thurm, Fabrikbesitzer C.B. Teicher, Buchdruckermeister Carl Jehne und den Bürgermeister Heisterbergk. Ihr erster Name war „Turnerfeuerwehr“. Sie zählte 39 Mitglieder.
Der ständige Wassermangel bei Bränden mag die Hauptursache zur Planung einer neuen Wasserleitung gewesen sein, die schließlich im November 1866 ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Bis zum Jahre 1907 wurden bei jedem Gewitter Wachen und von 1886 Theaterschutzwachen („Reichskrone“ und „Schützenhaus“) aufgestellt. Die Ausrüstung am Gerät oder Bekleidung oblag der Stadt. Die Männer trugen Stoffblusen und Filzhelme, später Tuchblusen und Lederhelme, Heute Schutzkombinationen, Schutzhelm, Steiggurt und Fangleine.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn in den ersten Jahren der Wassereimer und die Wassertonne die einzigen Löschgeräte darstellten, so wurden dieselben im Laufe der Entwicklung durch die Handdruckspritze, den Zubringer, die Kraftspritze, die Schaumspritze, die Motorspritze und die mechanisch Schiebeleiter abgelöst. Bis 1924 erfolgte die Alarmierung der Wehr durch die Sturmglocke der Kirche, bis 1930 durch Hausglocken, heute durch Telefon bzw. Sirene.
Obwohl die Brandbekämpfung in der heutigen Zeit mit Hilfe hochentwickelter technischer Ausrüstung gegenüber der damaligen Zeit gewaltig verbessert worden ist, gilt nach wie vor, heute wie vor 300 Jahren: Verhütet Brände und Katastrophen!

Quelle: Erhard Unger: 1997, Unsere Heimat