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Geschichte von Orts- und Straßennamen

Eine Spukgeschichte erzählen die Bewohner von Dippoldiswalde vom Weg am Fuß der Eichleite, dem "Walksteig" (nicht Waldsteig) und dem anschließenden "Poetenweg". Dieser Steig führte zur Walkmühle (als "Lohmühle" bekannt), welche den Tuchmachern und Gerbern zum "Walken" ihrer Erzeugnisse diente. Auf diesem Walksteig trieb zu mitternächtlicher Stunde der "Walkpudel" sein Unwesen, so daß diese Gegend in den Abendstunden tunlichst gemieden wurde. - Wo heute die fertiggestellte Umgehungsstraße gegenüber dem Friedhof verläuft, war früher Bleichplan, der allgemein als das "Gespünde" bekannt war. Dort befand sich, aus der Weißeritz herausführend, das "Spundloch für den Mühlgraben, der bis zur Ratsmühle führt und in letzter Zeit instandgesetzt wurde.

Spittelgarten (59182 Byte) Das Grundstück zwischen Friedhofskurve und der Friedhofsmauer hieß früher der "Spittelgarten". Hier stand das alte "Spittel" (Krankenhaus), in dessen anschließendem Garten noch bis 1860 die Hügel alter Franzosengräber zu sehen waren. Gegenüber war die Feilenhauerei Müller (jetzt weggerissen), und am Weg zum städtischen Bauhof war die Müllersche Lohgerberei, auf derem ehemaligen Grundstück sich noch heute die Ledergruben hinter dem Museum (vormals Lohgerberei Ulbrich) befinden. Gehen wir nochmal den Walksteig entlang, so kommen wir am Ende des Poetenweges zu den "Ulberndorfer Schanzen", die bis in die Gegenwart in ihren Resten gut erkennbar sind. Sie waren 1762 gegen Ende des Siebenjährigen Krieges eine Bastion auf dem rechten Weißeritzufer, die die Österreicher gegen das Vordringen der Preußen angelegt und befestigt hatten. Auch die Höhe der Eichleite war zur Verteidigung ausgebaut und mit Kanonen besetzt worden. Daher nennt man noch heute den obersten Punkt der Eichleite den "Kanonenplatz". Vom Bahnhof aus gehen wir - die Reichstädter Straße hinauf - über den Schülerberg zur Reichstädter Höhe, von der wir unserer Heimatstadt direkt ins Gesicht sehen können. Alte Runzeln sind entfernt, und in prächtiger Schönheit erstrahlen Schloß, Kirche, Rathaus und Schule. Ja, es hat sich schon etwas getan in den letzten Jahren, sogar bei der Instandsetzung von Bänken und Wanderwegen, die jahrzehntelang in Vergessenheit geraten waren. So kommen wir zur Birkenleite, die aus Anlaß des 800jährigen Regierungsjubiläums der Wettiner den Namen "König-Albert-Park" erhielt. Der darüberliegende Berg, auf dem einst das zweite Dippser Schloß gestanden hat, ist der Borken- oder Borthenberg. Hier befindet sich der Fernsehumsetzer. Unterhalb des Umsetzers in Höhe der Vorsperre liegt der Ochsenberg. Nach Westen zu heißt der Berreuther Abhang das "Lärchenbüschel", weil es in diesem Waldbestand früher viele Lärchen gab.

Blick auf das Schloß (30255 Byte) Über dem östlichen Talsperrenufer erhebt sich der Taubenberg, und die darüber befindliche Anhöhe ist der Galgenberg, auf dem einst der letzte Galgen (das Hochgericht) stand. In früheren Zeiten stand der Galgen auf dem Sonnenberg (Rundteil an der B 170). Da vorbeifahrende "Edelleute" bei dem Anblick "erschauderten", wurde das Hochgericht zum Galgenberg verlegt, wo die Gehängten bis zum Herabfallen - oder bis zur Neuinanspruchnahme für einen Delinquenten - verblieben. Kehren wir zur Stadt zurück, so wandern wir - entlang der seit 1419 betriebenen Wasserversorgung für Dipps - über den Heinzelberg zur Großen Wassergasse, in deren Schnittgerinne das Wasser des Kreuzbaches vom Obertorplatz herunter zum Markt geleitet und in riesigen Bottichen aufgefangen wurde, ehe es durch die Badergasse zu den vier großen Ratsteichen (Zipser-, Streich-, Kleiner und Großer Teich) abfloß. Geblieben ist nur der Große Teich "Rölligteich" genannt. Daß Dipps einst den "Bierkrieg" (1266) gegen Freiberg verlor, muß wohl daran gelegen haben, daß das im Schnittgerinne herablaufende Wasser gelegentlich durch Schmutzfinken verunreinigt wurde, ehe es im "Gährhaus" (heute Apotheke) zum Bierbrauen genutzt und in die Gährbottiche eingeleitet wurde. Diese Auslese von Straßen- und Ortsnamen soll genügen, um zu zeigen, wie leicht so vieles ins Vergessen gerät oder verschwindet.