Zunächst einige Worte zur Lage des Rathauses im Stadtplan. Bekanntlich
ist die große Mehrzahl der sächsisch-thüringischen Städte planmäßig gegründet
worden. Die Stadtgründungen sollten für den Handel, der das Land durchzog, feste
Stützpunkte bilden. Der Mittelpunkt der Stadtanlage war deshalb auch der große Markt.
Das Rathaus war bis zum 15. Jahrhundert das Kaufhaus der Stadt.
Der tägliche Markt war der Markt der Handwerker, die ihre Produkte auf Bänken zum Verkauf
auslegten: Bäcker, Fleischer, Schuhmacher waren die ältesten Handwerke. In der
südöstlichen Ecke bis zur Mitte des Rathauses hatte die Ratswaage ihre Lage. Die große
Waage hing an einem Balken, der unter den gotischen Kreuzgewölben durchgezogen war, und
diente zur Feststellung größerer Lasten. Dafür war eine Gebühr an den
"Wagemeister" der Stadt zu entrichten. Leider wurden die schönen Kreuzgewölbe
1855 bei Renovierungsarbeiten abgebrochen. (Ein Glück, daß sie im Südflügel des
Schlosses in ihrer Ursprünglichkeit erhalten blieben.) Das Rathaus hatte als
Gerichtsgebäude der Stadt hohe Bedeutung. Es spielte als Verwaltungsgebäude, als Sitz
des städtischen Verwaltungsorgans, die bedeutendste Rolle. Bis in die Mitte des 15.
Jahrhunderts ist das Rathaus ein Fachwerkbau gewesen, wie in den anderen Städten auch.
1429 wurde Stadt und Rathaus durch die Hussiten unter dem Anführer Prokop zerstört. Nach
diesem Brand blieben die Umfassungsmauern des Untergeschosses erhalten, auf denen ein
steinerner Aufbau errichtet wurde. Ein größerer Um- und Erweiterungsbau am Rathaus
erfolgte 1534.
Im Erdgeschoß befindet sich daß, von dem Rechtsanwalt und
Bürgermeister Voigt, anläßlich seines Ausscheidens aus seinem Amte im Jahre 1907
gestiftete bleigefasste Glasfenster mit dem Dipps´er Stadtwappen. Weiterhin im ersten
Stock, liegt die im "Inventarisationswerk" des Heimatforschers und
Kunstsachverständigen Steche erwähnten Ratsstube mit spätgotischem Rippengewölbe. Alle
Einzelheiten des Bauteils sowie des wohl um den Anfang des 15. Jahrhunderts entstandenen
Marktportals tragen eindeutige Merkmale gotischer Baukunst. Über dem rundbogigen
Marktportal ist das Wappen der Stadtherrschaft - das Maltitzsche Wappen - angebracht.
Links und rechts vom Giebel stehen die noch vom älteren Bau stammenden Heiligenstatuen,
die Schutzheiligen der Stadt: Maria mit dem Kind und der heilige Laurentius mit dem Rost.
Man beabsichtigt heute, den alten historischen Stil des Inneren wiederherzustellen und zu
einem Kleinod unserer Heimatstadt auszugestalten.